Warum ohne gute Kommunikation gar nichts geht. Aber mit klaren Worten alles einfacher wird. Und welche Erkenntnisse mir zwei ernüchternde Handwerkertermine an einem Vormittag gebracht haben...
Zwei Handwerkertermine an einem Tag sind an sich schon mühsam. Und das umso mehr, wenn man sich bei beiden wie der Ochs vorm Berg vorkommt... Was war da heute los? und was habe ich daraus gelernt?
Szene 1:
Seit einiger Zeit funktioniert die relativ neu - durch die Hausverwaltung beauftragt eingebaute - Lüftung im Bad nicht mehr. Der Elektriker, der die Abdeckung des Geräts fachmännisch abschraubt und einen skeptischen Expertenblick auf die staubige Innenseite wirft, meint lapidar und mit (so deute ich es in dem Moment) spöttischem Seitenblick: "Ham´s des nie abgesaugt?" Mein eigener, nicht fachmännischer Blick war ihm Antwort genug, dennoch ergänze ich: runterum schon, aber ich wusste nicht, dass man das aufmachen soll. Es folgt eine Anweisung, wie das Ding regelmäßig zu reinigen und gegebenenfalls auch auszutauschen ist. Keine große Hexerei. Dann, wenn man es weiß. Aber eben "wenn".
Szene 2:
Die selten benutzte Wohnung der Schwiegereltern wird gebraucht und deshalb versucht mein Mann, die Therme einzuschalten, was nicht möglich ist, nichts passiert. Der Insallateur kann dankenswerterweise kurzfristig am nächsten Tag dort vorbeikommen. Sie ahnen vielleicht: Ich schaffe es gerade noch, vom eigenen Elektrikertermin rechtzeitig dorthin. Der Techniker geht zur Therme, sieht den Gashebel quer und meint lapidar: Das gehört senkrecht, sonst kommt ja kein Gas...stellt es um, drückt den Knopf und die Therme springt problemlos an. So ein verräterisches Ding, denke ich mir. Denn natürlich wissen auch wir den Zusammenhang von Gaszufuhr und Thermenbetrieb. Auch mein Mann hat das am Vortag richtig eingeschalten, dabei aber eine Fehlermeldung erhalten.
"Naja, dann muss man halt eintstören". Eh klar! Ja gern! Und wie macht man das?? schreit es in meinem Kopf. Ich merke, dass ich langsam sauer werde. Nach dem Erlebnis mit der Lüftung kurz zuvor hat das noch gefehlt, ich fühle mich für von beiden Handwerkern für dumm verkauft. So geht das nicht, mit Erklärungen meinerseits komme ich zu keinem Ergebnis, denke ich mir. Und versuche, das Gespräch auf eine andere Ebene zu holen. "Ok. Und was kann ich also tun, wenn so eine Fehlermeldung oder Ähnliches passiert?"
Und plötzlich geht alles ganz einfach.
"Einfach den Knopf neben dem Licht drücken, das leuchtet. Das ist der Resetknopf, dann geht es wieder." Alles keine Hexerei. Wenn man weiß, was zu tun ist.
Und tatsächlich, alles funktioniert, die Wohnung wird warm.
Mein Fazit:
Beim Heimgehen denke ich nach: Wie viele Situationen in unserem Leben gibt es eigentlich sonst noch, die sich ganz einfach bereinigen lassen könnten, wenn man nur wüsste, was wirklich notwendig ist? Rechtzeitig handeln, so dass sich Ablagerungen gar nicht erst ansammeln, die dann nur teuer beseitigt werden können?
Und welche Resetknöpfe in unseren Beziehungen oder bei uns selber könnten wir drücken, um angesammelte Spannungen sicher zu entladen? Oder noch ein Schritt davor: Wie können wir die Bedürfnisse selber erkennen, dann die eigenen Wohlfühl-Resetknöpfe kommunizieren? Wie können wir unsere Bedürfnisse so sagen, dass sie auch erfüllt werden?
Wenn wir in einem ersten Schritt ehrlich reflektieren, was notwendig ist, dann wertschätzend auf Augenhöhe benennen, was wir brauchen, damit wir funktionieren, dann erst - aber dann wirklich - kann der andere das auch versuchen, zu tun. Statt ins Blaue hinreinraten zu müssen, nicht wie ich "rundherum die Klappe absaugen, anstatt den verstopften Filter dahinter zu reinigen."
Ob das 5 min Ruhe nach dem Heimkommen abends sind, um die man bittet, bevor man dann mit neuer Kraft ins Familiengeschehen eintauchen kann. Oder der Wunsch nach einer kurze Zeit des Erzählendürfens, ohne Ratschläge des anderen zu erhalten, wenn uns etwas belastet, was wir einfach nur mal vor offenen Ohren aussprechen wollen.
Sagen wir doch klar, was wir brauchen. Und hören wir auch ehrlich zu, worum es dem anderen eigentlich geht. Absichtlich missverstehen will nämlich fast keiner.
Kommentar hinzufügen
Kommentare